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Isaac Liu

Isaak Liu!'
Die fehlenden Väter
Gebetserhörung
Eines Tags betete mein Vater: „Herr, bitte schenk mir einen Sohn, der auch das Evangelium predigt.“ Aber die chinesische kommunistische Regierung wollte nicht, dass mein Vater einen Sohn bekam. In China sagt man: „Wenn der Vater ein Bauer ist, dann wird der Sohn auch ein Bauer; aber wenn der Vater ein Prediger ist und er einen Sohn bekommt, dann hat das Land noch mehr Probleme.“ Zu der Zeit wurde mein Vater von der Polizei überall gesucht durch aufgehängte Plakate und Fotos von ihm. Bald nach dem meine Mutter schwanger wurde, wurde mein Vater verhaftet.
Regierung drängte auf Abtreibung
Als meine Mutter mit mir im siebten Monat schwanger war, kamen die Polizisten von der Regierungsbehörde für Familienplanung zu uns nach Hause und sagten zu meiner Mutter: „Das Baby muss abgetrieben werden, weil der Vater einer der leitenden Prediger in der Untergrundkirchengemeinde ist und er nie aus dem Gefängnis herauskommen wird. Deswegen soll dieses Kind nicht auf die Welt kommen.“ Der Abtreibungstermin wurde auf zwei Tage später gelegt. Meine Mutter bekam schreckliche Angst und sie betete: „Herr, wenn dieses Kind unter deinem Schutz zur Welt kommt, werde ich es dir an vertrauen.“ Gott erhörte das Gebet von meiner Mutter. Ein Tag vor dem Abtreibungstermin wurde ich als ein gesegnetes und gesundes Kind Gottes geboren. Während der Geburt hatte meine Mutter nicht den geringsten Schmerz verspürt.
Heute kann Isaac beten: „Herr, ich danke dir, dass ich auf eine erstaunliche, ausgezeichnete Weise gemacht bin; deine Augen sahen mich, als ich noch nicht bereitet wurde im Mutterleib.“ Gott ist mein Vater, weil er mir das Leben gegeben und es beschützt hat.
Erster Brief von meinem Vater
Als mein Vater erfuhr, dass er einen Sohn bekommen hatte, schrieb er mir den ersten Brief in meinem Leben: „Mein geliebter Sohn Isaac. Als du geboren wurdest, saß dein Vater im Gefängnis, weil er an Jesus glaubte. Mein Sohn, ich weiß nicht, ob ich dich jemals sehen werde. Die Menschen wünschen ihren Kindern im allgemeinen Erfolg. Aber dein Vater wünscht dir nur, dass du dem Herrn Jesus nachfolgst und ihn lieb hast. Isaac, vertraue und gehorche dem Herrn alle Zeit, dann wirst du zu einem Mann Gottes heranwachsen. Mein Sohn, bis zum Wiedersehen in den Himmel. Dein Vater.“
Was ist ein Vater?
Als ich fünf Jahre alt wurde, weckte meine Mutter mich in der Nacht und sagte: „Isaac, wach auf, dein Vater ist nach Hause gekommen.“ Meine erste Reaktion zu meine Mutter war: „Mutter, was ist das?“ In der Schule hatte ich etwas darüber gelernt und von meiner Familie hatte ich gehört, was ein Vater sein könnte, aber die genaue Bedeutung hatte ich nicht gewusst. Ich ging raus in den Hof, dann sah ich einen Mann. „Wer ist das?“, fragte ich mich innerlich. „Isaac, das ist dein Vater, komm rufe ihn: „Vater““, sagte meine Mutter zu mir. Nein! Ich kann doch nicht irgend jemanden Vater nennen, den ich gar nicht kenne, dachte ich. In diesem Moment wusste ich nicht, wie ich reagieren sollte. Dann versteckte ich mich hinter meiner Mutter, und zu dem Mann, der im Hof stand, sagte ich kein Wort. In meiner Kindheit habe ich meinen Vater sehr vermisst. Im Kindergarten wurde ich oft ausgelacht, weil ich keinen Vater hatte. Preist den Herrn, mein leiblicher Vater hat mir den himmlischen Vater als lebendiges Zeugnis vorgelebt. Ich habe ihn in mein Leben aufgenommen und seitdem liebe ich ihn so sehr. Paulus hat gesagt: „Mit seinem Heiligen Geist durch seinen Sohn Jesus Christus hat Gott uns Sohnschaft geschenkt, dass wir ihn Abba Vater rufen dürfen.“ Ich schätze von ganzem Herzen diese Sohnschaft in Gott und den kostbaren „Abba Vater“ und lernte meinen leiblichen Vater zu ehren und lieben.
Polizisten müssen auch schlafen
Meine Großmutter war eine leidenschaftliche Christin. Schon als Kleinkind wurde ich von ihr auf dem Rücken zu Gottesdiensten geschleppt. Durch meine Großmutter habe ich noch viel mehr die unfassbare Liebe des himmlischen Vaters erfahren. Als ich acht Jahre alt wurde, entschied ich mich, mitten im Winter nachts in einem eiskalten Fluss, mich taufen zu lassen. Weil die Ältesten in der Gemeinde erzählten: „Die Polizisten sind keine Maschinen, sie müssen auch irgendwann schlafen. Also wenn sie schlafen, dann machen wir unsere Arbeit.“ So wurde ich mit ca. 35 Menschen zusammen getauft.
Chinesische pastorale Erziehung
Es ist gut, wenn man schon im jungen Alter lernt, sein Joch zu tragen. Mit zehn Jahren fing ich an, die Bibel auswendig zu lernen. Ich erinnere mich noch gut daran, wenn mein Vater nach Hause kam, musste ich vor ihm immer mindestens ein Kapitel der Bibel auswendig aufsagen. Als Kind habe ich das sehr brutal gefunden. Aber wenn ich jetzt zurück denke, bin ich meinem Vater sehr dankbar, dass er mir das Wichtigste im Leben beigebracht hat. Als ich elf Jahre alt wurde, sandte mein Vater mich zu einem kleinen Dorf, dass ich dort das Evangelium predigen sollte. Das ist nämlich die chinesische pastorale Erziehung, dass der Vater seine Kinder lehrt, Gottes Wort auswendig zu lernen und es weiter zu sagen. Als die Polizisten plötzlich mit Gewalt die Versammlung sprengten, schrieen sie laut: „Wer ist der Anführer“? Die Polizisten trauten ihren Augen nicht. Keiner von ihnen glaubte, dass ein Kind bereits predigen könnte. In diesem Moment bekam ich sehr viel Angst, weil ich schon viel mitbekomme hatte, wie mein Vater im Gefängnis von den Polizisten behandelt wurde. Da betete ich: „Herr, wenn du wirklich etwas mit mir vorhast und meinen Glauben prüfen willst, dann warte bitte noch ein bisschen, wenigstens bis ich über 18 bin.“ Gott erhörte mein Gebet. Die Polizisten schickten mich raus mit den Worten: „Geh raus Kind! Was machst du hier? Gehe zu Mama.“ Gottes Wege sind einfach unerforschlich.
Zwei Jahre auf der Straße
Als ich gerade 12 Jahre alt war, wurde mein Vater zum dritten Mal verhaftet. Ein paar Tage später kam meine Mutter auch ins Gefängnis. Damals war ich 12 und meine Schwester 7 Jahre alt. Die Gemeinden am Ort hatten Angst uns aufzunehmen, weil die Polizei uns überall suchte. Meine Schwester und ich wurden von der Gemeinde in eine andere Stadt gebracht. Dort nannten wir Menschen, die wir vorher gar nicht kannten, „Vater“ und „Mutter“, damit niemand etwas bemerkte. Zwei Jahre lange war ich oft auf der Strasse und suchte in Müllhalden nach Verwertbarem, um etwas zu verkaufen und mir und meiner Schwester etwas kaufen zu können. In dieser Zeit habe ich Gott oft gehasst, weil ich ihn gar nicht verstanden habe. Ich fragte ihn: „Gott, warum lässt du das alles zu? Meine Großeltern haben an dich geglaubt. Sie wurden oft durch die Strassen mit langem weißem Hut, wo „Antikommunist“ drauf stand, gezogen. Meine Eltern haben an dich geglaubt. Sie wurden immer wieder verhaftet und für viele Jahre verurteilt. Meine Schwester und ich haben auch an dich geglaubt, jetzt haben wir unser Zuhause und unsere Eltern verloren! Jesus, welcher Gott bist du denn?“ Nach meiner chinesischen Religionsvorstellung konnte ich Gott nicht verstehen. Warum sollte ich an diesen Gott glauben, der nur alles von mir wegnahm. Mein Herz wurde verbittert. Damals habe ich zu Gott gesagt: „Wenn ich groß bin, werde ich alles machen, aber niemals das, was mein Vater tut. Meines Vaters Gott werde ich niemals nachfolgen.“ Aber ich durfte danach lernen: So wie ein Vater sich um seine Kinder kümmert, kümmert Gott sich um uns. Wir hassen ihn, aber er hasst uns nicht. Wir mögen ihn manchmal nicht so sehr, aber er liebt uns die ganze Zeit. Gott ist treu, und geduldig. Es tut so gut, ihn als Vater im Leben zu haben.
Die Flucht
Nachdem meine Mutter aus dem Gefängnis entlassen wurde, flüchtete meine Familie – ohne meinen Vater nach Burma. Dort in Burma lebten wir zwei Jahre lang. Inzwischen hatte Gott meinen Vater aus dem Hochsicherheitsgefängnis herausgeholt. Auf unerforschliche Weise. Dann ist mein Vater nach Deutschland geflohen. Um meinem Vater nachzureisen, mussten wir aber erste nach Thailand kommen, wo das internationale „Aktionskomitee für verfolgte Christen“ (AVC) uns deutsche Asylpässe besorgt hatte. Unter der Begleitung eines Pastors, reiste ich aus. Als ich zu dem Grenzgebiet kam, es heißt „den drei goldenen Ecken“, brach in dieser Gegend ein Krieg zwischen Thailand und Burma aus. Mitten durch Gewehrfeuer hindurch und mit einem kleinen Boot erreichte ich das Ufer Thailands, wo mir mein Asylpass ausgehändigt wurde.
Gleichzeitig sind meine Mutter und Schwester nächtelang durch die Dunkelheit barfuss geflüchtet und hatten es geschafft, auch nach Thailand zu kommen, was eigentlich unmöglich erschien. Meiner Familie begegnete ich in Bangkok wieder. Da kam einer der Chefpolizisten von Bangkok zu uns, und sagte: „Das ist unfassbar, dass ihr es jetzt doch geschafft habt, hier her zu kommen.“
Ankunft in Deutschland
Im Frühling 2001, eines Abends um 21:30 landete meine Familie in Frankfurt auf dem Flughafen. In dieser Nacht hatte meine Familie sehr friedlich geschlafen, weil wir sehr lange immer nur unterwegs waren. Als ich acht Jahre alt war, betete meine Mutter: „Herr, du kannst alles machen mit meinem Sohn, aber bitte keinen Pastor.“ In Deutschland betete ich genau so: „Herr, ich werde dein Kind sein, aber dein Diener will ich nicht werden.“ Weil wir viel erlebt hatten und wegen der Schwierigkeiten, die wir und mein Vater wegen dem Glauben durchmachen mussten. Ich sagte zu Gott: „Ich will nicht, dass einmal meine Frau 14 Jahre lang auf mich warten muss, weil ich im Gefängnis bin, sowie meine Mutter auf meinen Vater gewartet hat. Ich will auch nicht, dass meine Kinder hin und her geschleppt werden, elf Jahre die Schule besuchen, dabei 10 mal die Schule wechseln und jedes zweite Jahr in eine neue Stadt ziehen, jedes vierte Jahr eine neue Sprache oder einen neuen Dialekt lernen müssen. Ich will unbedingt Kaufmann werden und auf keinen Fall Pastor.“
Die Berufung dringt durch
Der Herr, ist der, der war, der ist und der kommt. Er hat den besten Plan für mein Leben. Er hat mich dann doch zum theologischen Seminar Beröa geführt. Im August durfte ich mit dankbarem Herzen und sprachlosem Staunen mit meinem Vater und dem himmlische Vater meinen Abschluss feiern. Jetzt diene ich dem himmlischen Vater als Vikar in der Volksmisson in der Gemeinde in Geislingen. Nebenbei begleite ich meinen Vater auf seinem Reisedienst als Deutschübersetzer. Es ist schön mit meinem Vater im Auftrag des himmlischen Vaters unterwegs zu ihm zu sein. Die verlorene Kindheit mit meinem Vater kann nicht mehr zurückgeholt werden, aber jetzt fügt Gott uns auf seine wunderbare Weise zusammen. Amen.